Laufsaison 2012 – Überblick von Rainer Garburg

Mein Start in die Laufsaison 2012 gelang mir erst in der zweiten Jahreshälfte. Zunächst konnte ich nur sehr wenig trainieren, weil in der Familie einige Dinge Priorität vor meinem Hobby bekamen. Dann versuchte ich am letzten Samstag im März für den Königsforst-Halbmarathon fit zu werden. Um in einer halbwegs akzeptablen Zeit von +-2h zu finishen, hätte es wahrscheinlich auch gereicht, aber dann hing ich eine Stunde vor Start in einer Vollsperrung auf der Autobahn fest. Schade auch. Leider hatte ich schon das Startgeld überwiesen, aber durch den gesparten Sprit für die Fahrt war es finanziell gesehen eine schwarze Null. Für den 1.Mai versuchte ich halbherzig einen zweiten Versuch und meldete mich für den Lohner`s-Vulkan-Halbmarathon vor. Dann kam aber ein anderes Angebot, nämlich mit zwei befreundeten Familien den Tag im Kletterwald zu verbringen. So wurde der 10km-Deichlauf in Neuwied am 25.05. für mich offiziell zum Saisonstart ernannt. Dort kam ich mit ziemlich exakt 50min überraschend gut durch, zu diesem Zeitpunkt war das gar nicht schlecht. 

So langsam wurden die Wochenkilometer und die langen Läufe erhöht, immer im Blick auf die Ultradistanz beim P-Weg. Ende Juni wurde zum ersten Mal für 2012 die 25km in einem Lauf erreicht. Ein willkommener Wettkampf, wie schon in den Jahren 2008 und 2011 in denen ich beim P-Weg antrat, war der Malberglauf über rund 6km und 370hm am 10. August. Dort war ich dieses Jahr deutlich schneller als im letzten Jahr, allerdings waren die Wegeverhältnisse auch wesentlich angenehmer. Mit insgesamt 7 Trainingsläufen zwischen 25-35km fühlte ich mich dann für den P-Weg-Ultra gut vorbereitet. Auch hier  hatte ich mich gegenüber dem letzten Jahr etwas gesteigert.

Der P-Weg selbst wurde natürlich schon sehr herbeigesehnt. Anfahrt wie immer am Freitagnachmittag, der P-Weg-Eröffnung beigewohnt und bei guten Freunden, Familie Dirk und Rebecca Fischer, die Nacht verbracht. Vorher wurden noch bis zum abwinken Nudeln gebunkert. Diesmal habe ich nicht in der alten Feuerwehrwache gefrühstückt, sondern habe mir morgens selbst meine Haferflockenmischung angerührt. Überhaupt könnte man beim P-Weg auch „nüchtern“ loslaufen, da die Verpflegung absolut keine Wünsche offenlässt. Dieses Mal hatte ich mich für die Trinkstudie der Sportklinik Hellersen gemeldet und wurde deshalb vor dem Start gewogen. Ergebnis: 97kg, und die Erkenntnis, dass meine Waage zu Hause wohl nicht geeicht ist, da sie in den letzten Tagen immer rund 5kg weniger angesagt hatte. Die Aufgabe war nun, mir alles zu merken was ich ab diesem Zeitpunkt noch zu mir nahm, bzw. von mir gab. Und das wird bei einem solch langen Lauf ganz schön umfangreich und schwer zu merken.

  

Direkt nach dem Start erkannte ich auf der ersten Steigung schon einige bekannte Gesichter. Eine junge Frau erkundigte sich, was mit meinem Freund aus dem letzten Jahr geworden wäre. Offensichtlich fielen Michael und ich bedingt durch unsere Körpergröße und die auffälligen Laufshirts doch auf.

Als Zeitziel hatte ich mir vorgenommen, mindestens die Zeit aus 2011 (7:48h) zu unterbieten, im Idealfall auch die aus 2008 (7:34h). Bis km 28 kam ich sehr gut durch, die Halbmarathonmarke passierte ich bei ca. 2:15h. Das ist angesichts der Tatsache dass man noch mehr als einen Marathon vor sich hat, ganz in Ordnung. Diesmal wurde ich kurz vor der Streckentrennung zur Marathondistanz von den führenden Marathonis eingeholt. Unglaublich, was die für ein Tempo anschlagen! Die Temperaturen waren zu diesem Zeitpunkt schon locker auf 23°C gestiegen, was man aber im Wald zum Glück nicht so spürte. Genauso schlecht wie im letzten Jahr gefiel mir die elend lange, seichte Gefällstrecke runter zur Oestertalsperre. Man würde so gerne mal wieder eine Gehpause machen, aber das Gefälle liefert einfach l

keinen Grund. Dann die Staumauer und um die Oester herum- alles flach, kein Grund zum Gehen, was ich dann aber irgendwann doch gemacht habe. Auf alle Fälle habe ich die guten Gespräche vermisst, welche ich mit Michael im letzten Jahr führen konnte. Bei seinem Bericht über den Einsatz der  Gefängnisarbeit der Gefährdetenhilfe Scheideweg in der Mongolei kam einem die Steigung viel kürzer vor.

Viel zu berichten gibt es nicht, meine Taktik ging auf, vor allem an den Verpflegungsstellen habe ich im Vergleich zum Vorjahr viel Zeit gespart. Beim höchsten Punkt des Laufes, auf dem Ebbekamm, war ich mehr als 10min schneller als 2011, die 50km-Markierung passierte ich exakt nach 6h, was eine vergleichsweise erstaunlich gute Zeit ist. Leider wurde es hintenraus dann doch noch sehr hart, ich musste viele Gehpausen machen, was mir die erhoffte Bestzeit kaputt machte. Vor allem die letzten vier Kilometer- nur noch abwärts und eigentlich nur abzuhaken- wurden extrem lang. Am Ende wurde es eine Zeit von 7:40h, Platz 33 und AK 12. (Das abschließende Wiegen für die Studie ergab, dass ich trotz ca.3,5l Getränke, 2,5 Bananen, 3 Schmalzbroten und diversen Kleinigkeiten rund 4kg verloren habe.) Alles in allem bleibt festzuhalten, dass der P-Weg eine hervorragend organisierte Veranstaltung ist, und dass es Spaß macht, für die Sportgruppe der Himmelsstürmer in Plettenberg unterwegs zu sein und Unterstützung zu bekommen. Schade, dass ich auf der Distanz der einzige Starter war.

Schon vor dem P-Weg, war ich mit Michael Charton für den Hachenburgmarathon am 20.10. verabredet. Freundlicherweise wollte Michael mit mir die 42km-Runde mit mir drehen, obwohl seine Vorbereitung nicht optimal war. Mich reizte der Versuch zu schauen, wie man einen Marathon nach nur sechs Wochen nach einem 67km-Lauf verarbeitet.

Dann realisierte ich plötzlich, dass es am 3.Oktober ganz in meiner Nähe eine ganz fantastische Möglichkeit gab, einen Marathon zu laufen, den Staffelmarathon Waldbreitbach. Zunächst hielt ich halbherzig nach einem oder mehreren Staffelläufern Ausschau, um den Lauf zu einem langen Trainingslauf zu machen. Schließlich setzte sich aber der Entschluss durch, als Einzelläufer zu starten. Und dieser Entschluss war genau richtig! Dann hier beim Staffelmarathon hat man nach jeder 2km- Runde die Möglichkeit, am Verpflegungsstand zuzuschlagen. Außerdem genießt man den Vorteil  immer in Gesellschaft zu laufen, was ich bei einem Wettkampf durchaus schätze, wenn ich im Training auch oft und gerne allein bin. Allerdings verleitet einem das hohe Tempo der Staffelläufer, schneller zu laufen als geplant. Davon blieb auch ich nicht verschont. Bis km 30 war ich etwas über Soll unterwegs. Die Halbmarathonmarke erlebte ich bei 1:52h. Danach kam der dann unvermeidliche Einbruch und der Schnitt pro km stieg um eine Minute. Hätte ich das geplante Tempo von vorne bis hinten durchgezogen, wäre eine neue Bestzeit möglich gewesen, so wurde es eine Zeit von 3:56h.

So hatte ich mich also schön ausgetobt und konnte den Hachenburgmarathon als Genusslauf erleben. Ich freute mich auf die Gemeinschaft mit Michael und einen schönen Saisonabschluss. Besonders freute ich mich, als sich Axel N. bei mir meldete. Er ist ebenfalls Christ und ein alter Bekannter. Er feierte 2011 im Königsforst sein Marathondebüt. Axel hatte sich ebenfalls für den Löwenlauf in Hachenburg angemeldet.

Michael wollte ich jedenfalls bis zur Halbmarathonmarke bzw. rund um die Westerwälder-Seenplatte begleiten und mich dann von ihm trennen, falls die Unterschiede in der Kondition zu groß sein sollten. So blieben wir vom Start weg auf der langen Steigung zusammen und konnten uns gut unterhalten. Dabei vertieften wir auch den Kontakt zu dem Läuferpaar aus Schalksmühle, welches wir schon im letzten Jahr (Und ich dieses Jahr wieder) getroffen hatten. Die beiden waren seit Plettenberg schon 2 weitere Marathons gelaufen und absolvierten in Hachenburg den dritten, also einen mehr als ich. Allerdings fühlte Michael schon sehr früh, dass heute nicht sein Tag ist und deutet schon früh an, dass es aus einer Zeit von unter 4:30h nichts würde. Axel schloss sogar bei km15 zu uns auf, wovon wir sehr überrascht waren. Die nächsten drei Kilometer liefen wir dann schön gemeinsam, dann setzte ich mich ab, um mein Zeitziel doch noch zu erreichen. Am Ende wurde es eine erste Hälfte in 2:12h und eine zweite Hälfte in 2:06h. 4:18h sind jetzt ganz sicher keine Glanzleistung und sogar meine persönliche Schlechtzeit, aber man muss ja auch die Umstände berücksichtigen, wie es zu dieser Zeit kam. Marathonsammeln macht Spaß, nicht schnell. Michael kam übrigens nach 5:04h ins Ziel, hatte aber auf Grund seines Shirts mit dem Slogan „KNOW JESUSKNOW LIVE“  ein schönes Gespräch mit einem Christen, dessen Frau einmal in einer Wohngruppe der Gefährdetenhilfe in Scheideweg wohnte, für die Michael arbeitet.

Nun ist die Laufsaison 2012 vorbei und ich lasse es ruhiger angehen. Für 2013 würde ich gerne, wenn Gott es zulässt, in etwa die gleichen Wettkämpfe bestreiten, wobei ich Hachenburg gerne gegen den Rothaarsteig tauschen würde, sollten sich wieder so viele Himmelsstürmer dort anmelden!